schwarzer Hintergrund

wie bekomme ich Hintergrund ohne viel Bearbeitung schwarz?

Der Versuch ein Motiv vor einem tiefschwarzem Hintergrund abzulichten scheint nicht allzu schwer, schwarzer Stoff oder Papierhintergrund und das klappt dann schon. Oftmals ergibt sich jedoch eher eine Art hellschwarzer Hintergrund oder gar ein grauer. In Zeiten der digitalen Fotografie kann man zwar einiges mit Bildbearbeitung retten, jedoch nicht alles. Entweder kommt es zu Tonwertabrissen mit den typischen Linien im Motiv oder zum Absaufen von Bildpartieen. Natürlich kann man auch mit Masken arbeiten um nur gezielt einzelne Partiien zu bearbeiten, jedoch ist dies je nach Motiv überaus Zeitintensiv.
Jedoch mit einigen Vorüberlegungen bei der Belichtung kann man sich viel Arbeit in der Postproduction ersparen.

Zunächst sehen wir uns einmal das Bild von Veronica an. Unser Model ist schön ausgeleuchtet, aber steht nicht vor Schwarz sondern eher vor Grau.
Als ersten Versuch könnte man einfach in der Bildbearbeitung nachträglich Abblenden. Selbst mit 2 Blenden ist der Hintergrund alles andere als schwarz, das Bild ist flau und es zeigen sich einige Tonwertabrisse um den hellen Spot in der Bildmitte.

Eine bessere Variante ist es die Gradiationskurve anzupassen. Hier ist zwar der Hintergrund schön schwarz, jedoch sumpfen auch dunkle Bildteile ab und Veronica’s Haare sind nur noch erahnbar und besitzen keinerlei Struktur mehr. 

Schauen wir uns doch einmal das Setup an in diem dieses Bild entstanden ist.

Unser Model steht vor einem schwarzen Papierhintergrund, flankiert von zwei Striplights und einem Beauty Dish mit Wabeneinsatz der das Gesicht belichtet. Die Kamera ist zwecks Reproduzierbarkeit auf einem Stativ befestigt.

Wie wir sehen befinden sich die Striplights ca. 1 Meter vor dem Model und lechten es von Vorne mit einem flachen Winkel an. Dies leuchtet zwar unser Motiv schön gleichmäßig aus, jedoch gibt es viel Streulicht auf den Hintergrund. Die leicht reflektierende Fotohintergrundwand gibt zusättzliches Streulicht vom rechten Blitz. Eine weitere Lichtquelle die den Hintergrund aufhellt ist der Beauty Dish, dieser ist hauptsächlich für den Spot in der Bildmitte verantwortlich.

Verändern wir nun das Setup etwas.

Zunächst wandern die Striplights weiter in Richtung Hintergrund. Zudem wird die Ausrichtung so geändert, dass sie nicht zum Hintergrund zeigen. Dies ist Notwendig, damit so wenig Licht wie möglich auf den Hintergrund trifft. Im Grunde wird unser Motiv mehr von der Seite angeleuchtet, man nennt das Streiflicht. Zum Abschätzen wieviel Licht das Motiv und den Hintergrund trifft ist das Einstelllicht hilfreich. Man sollte das Hilfslicht auf maximale Helligkeit stellen damit man die Lichtverteilung auf dem Hintergrund am ebsten erkennen kann. Oft ist die Helligkeit des Einstelllichtes an die Blitzeinstellung gekoppelt, in diesem Fall einfach den Blitz auf volle Leistung drehen und die Ausrichtung vornehmen. Später aber nicht vergessen den Blitz wieder runter zu regeln und einmal abzublitzen. So verfährt man mit jeder Lichtquelle die man hat.
Der Beauty Dish wird schräg von oben rechts das Gesichtund die Vorderpartie von Veronica etwas aufhellen, ist jedoch so ausgerichtet, dass das meiste Licht links neben unserem Modell ins Nirvana verschwindet und den Hintergrund nicht berührt.

Spiegelnde Oberflächen die ungewollte Reflektionen auf den Hintergrund werfen werden mit schwarzen Stoffvorhängen oder Blenden abgedeckt. Solche Blenden kann man sich einfach aus einer Styroporplatte die man mit schwarzer Farbe anstreicht für wenig Geld selbst basteln. Man sollte jedoch nur eine Seite streichen, da die andere weiße Seite als großflächiger Reflektor genutzt werden kann. Wenn man sich für Stoff entsheidet ist Molton die beste Wahl. Dieser Stoff ist nicht nur schwer entflammbar sondern auch überaus dicht. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Molton oft für Bühnen und Veranstaltungen verwendet. In diesem Setup verwende ich zwei schwarze Panele neben dem linken Striplight um die Hintergrundwand abzuschatten.

Ein Spiegel auf der rechten Seite des Setup, der nun vom linken Blitz angeleuchtet wird ist eine neue Streulichtquelle. Dieser wird einfach mit einem schwarzen Tuch abgehangen und verliert somit seine reflektierenden Eigenschaften.

Nachdem die Blitze noch etwas reguliert und aufeinander abgestimmt sind sieht unser Hintergrund schon deutlich besser aus als zuvor.

Ein wenig Nacharbeit im Lichtsetup und etwas bessere Platzierung der lichtschluckenden Elemente würde dies sicher noch optimieren.
Auch ein größerer Abstand unseres Modells zum Hintergrund hilft hierbei ungemein, da sich die Lichtdichte mit dem Quadrat des Abstandes abnimmt und somit auch der Einfluss des restlichen Streulichts. Allerdings ist der Hintergrund nun um so vieles Dunkler als unser Motiv, dass es ausreichend ist die Gradiationskurve ein klein wenig anzupassen oder ein wenig die Schattenpartiien abzudunkeln und die Mitteltöne und Lichter ein wenig auzuhellen.

Ich habe mich dafür entschieden die dunklen Bildpartiien etwas mehr abzudunkeln indem ich die Gradiationskurve etwas steiler gestellt habe.

Hierbei entstand das folgende Bild von Veronica vor tiefschwarzem Hintergrund.

Ich hoffe das dieser Artikel hilfreich war.
Vielen Dank auch an Veronica die sich als Model zur Verfügung gestellt hat und natürlich auch an Jürgen, in dessen Studio dieser Beitrag entsand.